Jazz-Mission
       
Schwäbisch Gmünd e.V.
Uwe Werner
28.12.1955 - 13.02.2018

 
 
In memoriam Uwe

Die Jazzmission Schwäbisch Gmünd e.V. trauert um ihr Gründungsmitglied Uwe Werner, der am 13.02.2018 nach längerer schwerer Krankheit verstorben ist. Er hat als Ideengeber und aktiver Musiker die Arbeit der Jazzmission von Anfang an entscheidend mitgeprägt und sich beharrlich für ein eigenständiges Jazzprogramm in Schwäbisch Gmünd eingesetzt. Wir verlieren mit Uwe nicht nur einen wichtigen Mitstreiter in Sachen Jazz – sondern auch einen sehr guten Freund.

Danke Uwe

Uwe Werner & Mick Baumeister
Samstag, 11. Dezember 2004 im Prediger
The Return of Erich Zann
12.12.2008 im Prediger
Landesjazzfestival 2010
 26. April im Prediger
 
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Nachrufe:
Gmünder Tagespost Rems-Zeitung

Der Jazz prägt sein Musikerleben

Nachruf Uwe Werner starb mit 62 Jahren. 2005 erhielt er den Jazzpreis Ostwürttemberg. 

Schwäbisch Gmünd. Er war Konzertmusiker, Musiklehrer und Musikbegeisterter: Der Saxofonist Uwe Werner ist jetzt im Alter von 62 Jahren gestorben.

Der Jazzmusiker, der 35 Jahre an der Städtischen Musikschule Schwäbisch Gmünd unterrichtete, hat die Begabung mit in die Wiege bekommen. Der Großvater war Kapellmeister und dirigierte so manches Konzert in Gmünd. Irgendwann drängte sich das Talent auch bei Uwe Werner in den Vordergrund. Schon in der Jugend spielte er bei „Troilus II“, der Band des Bruders. Dann kam der Kontakt mit dem Jazz, ausgelöst durch eine Platte von John Coltrane. Von 1976 bis 1981 studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz unter anderem die Fachrichtung Jazz.

Ab 1981 war er Saxophonlehrer an den Musikschulen Schöneberg, Tempelhof und Steglitz in Berlin. Dort hielt es ihn nicht lange. 1982 kam er als Saxophonist zur Städtischen Musikschule in Schwäbisch Gmünd.

Mit befreundeten Musikern rief er die „Jazz Mission“ ins Leben, die der Musikrichtung den Boden in Schwäbisch Gmünd bereitete. Uwe Werner war ein Musiklehrer, der seine Schülerinnen und Schüler auch weit über den eigentlichen Unterricht hinaus begeistert hat. Viele von ihnen wurden aktive und erfolgreiche Jazzmusiker. Manche davon haben die Profilaufbahn ergriffen.

Seine Kompetenz war bei Jazzfreunden geschätzt, er hat mit dazu beigetragen, dass die Musikschule zu einer der erfolgreichsten Kultureinrichtungen in Gmünd geworden ist.

Daneben hat sich Uwe Werner zu einem der bekanntesten Jazzmusiker in Baden-Württemberg und darüber hinaus entwickelt. Er spielte bei zahlreichen Jazzfestivals, war Leader der Jazzformation East-West Connection, produzierte Schallplatten und CDs. Legendär waren seine Auftritte, oft zusammen mit Mick Baumeister. Seit 1989 war Uwe Werner Mitglied beim vom Land Baden-Württemberg geförderten Süd-Pool-Jazzprojekt. Dort begegnen sich die besten Musiker des Südwestens.

Bei der Verleihung des Jazzpreises Ostwürttemberg 2005 sagte Uwe Werner: „Die meisten großen Jazzfeste servieren keinen Jazz, weil wahrer Jazz die Zuschauerzahlen zu gering halten würde. Beim Verein Jazz-Mission in Gmünd wissen 95 Prozent der Mitglieder um die kleine Flamme und wir wollen dem Kreis eine kleine Nische bieten für Hungrige. Kraft und Ehrlichkeit ist die Voraussetzung für das Spiel.“

© Gmünder Tagespost 19.02.2018


Eine Lebensgeschichte im Jazz

Uwe Werner, einer der bekanntesten Jazz-Saxofonisten Baden-Württembergs, ist im Alter von 62 Jahren gestorben

Ohne Uwe Werner wäre die Jazz-Szene in Schwäbisch Gmünd nicht geworden, was sie ist. Er hat ihr viele unvergessliche Konzerte beschert. In seiner Eigenschaft als zweiter Vorsitzender der Jazz Mission – und als begnadeter und virtuoser Saxofonist. 

JAZZ (rw). Dass es Uwe Werner nicht gut ging, konnte man sehen. Die Krankheit, von der er überzeugt war, dass er sie besiegen würde, hat sich als stärker erwiesen. Am 13. Februar ist Uwe Werner im Alter von 62 Jahren gestorben. Er war sich bewusst, dass er an der Schwelle zu einer anderen Lebensphase stand, als die RZ-Kulturredaktion mit ihm Ende 2015 ein Gespräch anlässlich seines 60. Geburtstages führte: „Die Kraft ist nicht mehr so roh, so unreflektiert.“ Gleichwohl, „die Ecken und Kanten soll man sehen.“ Die gab es in seinem Werdegang und Leben genug. Uwe Werner wurde am 28. Dezember 1955 in Schwäbisch Gmünd geboren, Sohn eines Goldschmiedepaares. Nach dem Besuch der Realschule begann er eine Lehre als Einzelhandelskaufmann, „das waren die Backpfeifen des Lebens“, sagte er über diese Zeit zwischen 1970 und 1973. Die nächsten zwei Jahre, bis 1975, arbeitete er als Plakatmaler. Andererseits: Es waren gute Jahre – in der Musik, auf den lang auslaufenden Wellen der 60er Jahre. Uwe Werner sog sie in sich auf. Der ältere Bruder spielte in einer Band, „Troilus II“, Uwe Werner durfte als zweiter Schlagzeuger mitspielen. Die Beatles waren für ihn der Ausgangspunkt, das Ur-Erlebnis schlechthin aber waren für ihn Aufnahmen von John Coltrane. Von da an hieß es für ihn: Jazz. Seine wahren Instrumente wurden Tenorsaxofon und Sopransaxofon, „ich habe kapiert, dass in der Musik eine innere, spirituelle Sprache steckt.“ Er übte und übte, er wollte in Graz an der Musikhochschule Jazz studieren. 1976 machte er die Aufnahmeprüfung und wurde angenommen. Die Jahre bis 1981 seien die schönste Phase in seinem Leben gewesen, sagte er im Rückblick. Nach dem Studium zog Uwe Werner nach Berlin, begann dort als Saxofonlehrer zu arbeiten. Es gefiel ihm dort nicht, sein Sohn Aron wurde geboren, er heiratete, 1985 kam die Tochter Laura: „Man braucht ein Standbein. Ich wollte einfach nicht Kommerz spielen. Dann lieber ehrenhafter Unterricht.“ Ab 1982 unterrichtete Uwe Werner an der Städtischen Musikschule seiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd, 35 Jahre lang, bis er es wegen seiner Krankheit ab November 2017 nicht mehr konnte. Seine Schüler begeisterte er über den Unterricht hinaus, etliche wurden aktive JazzMusiker, manche Profis. So etwas gelingt nur Lehrern, die Können, Kompetenz und Beseelung miteinander verbinden. Abseits der Musikschule entwickelte sich Uwe Werner zu einem der bekanntesten Jazz-Saxofonisten Baden-Württembergs. In Mick Baumeister fand er einen bleibenden und treuen „Seelenbruder“, so hat er den Pianisten selbst bezeichnet, seine Auftritte mit Mick Baumeister wurden legendär. Mit der East-West-Connection, deren Leader Uwe Werner war, ging es dann richtig aufwärts. Er produzierte Schallplatten und CDs, schuf mit Baumeister Filmmusiken, wurde ins Süd-Pool-Jazzprojekt berufen. 2005 erhielt Uwe Werner den Jazzpreis Ostwürttemberg. Im Frühjahr 2016 schlug er bei der Gmünder Jazz-Mission einen Bogen zurück in die 70er-Jahre, ihm schwebte eine Hommage an dieses Jahrzehnt vor. Der Bogen hat sich nun zum Kreis geschlossen. Und Schwäbisch Gmünd hat einen großen Jazz-Musiker verloren.

von Reinhard Wagenblast ©, erschienen am 20.02.2018 in der Rems-Zeitung