JAZZ / Die "Jazz:Mission" bringt Steffen Schorns "Triosphere" ins KKF in Gmünd
Verblüffendes Durch- und Miteinander
Da winden sich die Töne von Bassklarinette und Saxophon um einander wie Schlangen und die Gitarre plätschert seltsam geistesabwesend dahin. Da stürmen drei Instrumente voran, jedes auf seinem eigenen verschlungenen und mit Stolpersteinen übersäten Pfad - und der Gewinner ist dabei das Publikum im KKF in Schwäbisch Gmünd.

Die Musik von "Triosphere" ist eigenwillig, experimentierfreudig, komplex. Regeln gab es, streng, subtil, unter diesem atemberaubenden Gewirr von Tönen und Klängen, die so einfach zu durchschauen nicht waren. An und ab schwollen die langen Stücke wie organisches Leben - und als ähnlich unvorhersehbar erwiesen sie sich.
Um die "Inner Vibes of Love" ging es da, um die "Leichtigkeit der Puppen", um "Fraktale" und "Riki Zauberlet". Dicht waberte die Musik durch den kleinen, gemütlichen Raum, umgarnte die Fäden blauen Zigarettendunstes, wurde eifrig aufgenommen vom Publikum und durch Gehirnwindungen hindurchgeschleust im Versuch zu begreifen. Oder wurde einfach mit geschlossen Augen assimiliert und der Assoziation preisgegeben im vagen Versuch zu genießen. Als emotionale Kopfmusik erwies sich das Mit- und vermeintliche Durcheinander von Steffen Schorn und Roger Hanschel von der Kölner Saxophon Mafia und des kongenialen Gitarristen Dirk Mündelein. Eine ungewöhnliche Besetzung für ein ungewöhnliches metrisches Experiment. Oft wechselte die Rhythmik, sieben Viertel und siebzehn Achtel, kein Fuß konnte da guten Gewissens wippen, einzig Kopf und Bauch arbeiteten fieberhaft. Und voller Hingabe wurden die komplizierten Klangsysteme von den Musikern in den Pausen analysiert. Manchmal verzauberte die Musik träumerisch und orientalisch angehaucht den Raum, wand sich geheimnisvoll wie wabernde Nebelschwaden und blieb so unantastbar wie staubige Sonnenstrahlen; dann wieder schoss die Flut des Jazz dahin, knallig, schräg und aggressiv und mit einem Groove, der sich aus den Rhythmuswechseln ebenso unerwartet erhob wie ein Phoenix aus der Asche. Kein Instrument begleitete da, alle führten sie einen in die Irre, in die Ewigkeit,in ein Tal der Konzentration.
Manchmal kämpfte sich der Hauch einer Melodie durch den verschrobenen Klangstrang, dann wieder zerfaserten sie die Tonreihen zu Fraktalen, fragmentierten die Musik in Moleküle und ließen die Instrumente in indischer Tradition sprechen, indem sie Wort für Wort verketteten, verschränkten. Anstrengend war das, fantastisch und hinterher hatte man als Zuhörer das Gefühl mindestens ebensoviel gearbeitet zu haben, wie die Musiker.
vim