JAZZ / "Himmlische" Weisen mit Christof Lauer und "Norwegian Brass" in der Gmünder Franziskanerkirche
Im Dornwald singt schrill die Nachtigall
Mit Blech in den Himmel. Mit norwegischem Blech und einem Jazzsaxofonisten. Die Gmünder "Jazz:Mission" gab dem kirchenmusikalischen Projekt "Heaven" den geeigneten Rahmen im Franziskaner. Die hervorragende Akustik im Kirchenraum machte die ungewöhnliche Weihnachtsmusik zu einem unvergesslichen Erlebnis.

VON HELGA WIDMAIER
Zusammen mit den norwegischen Bläserkollegen hauchte...

Christof Lauers biografisch begründetes, lang gehegtes Projekt befasste sich mit geistlichen Liedern, die mit der Weihnachtszeit zu tun haben. Auf "Jingle Bells" wartete man allerdings vergeblich. Den Pastorensohn trieben die sakralen und volkstümlichen Weisen seiner Kindheit und Jugend um. Die instrumentelle Umsetzung legte Blechbläser nahe. Der Klang in Christof Lauers Kopf war nun einmal bestimmt von den Posaunenchören, wie sie früher in jeder Gemeinde anzutreffen waren. Respekt vor den ursprünglichen Absichten und dem atmosphärischen Ausdruck der Choral- und Volksliedvorlagen bestimmen die Arrangements von Geir Lysne. Der norwegische Bigbandleader hat klassischen Schönklang mutig und experimentierfreudig mit gewagten Dissonanzen versetzt. Manchmal schimmern die zugrunde liegenden Weisen durch, manchmal nicht. Die Instrumentalstücke bewahren den Choralcharakter. Sie spielen mit melodischen Bruchstücken. Das Blech intoniert die für es geschriebenen Choralzeilen, inszeniert antifonische Zurufe und wird frei kommentiert von Christof Lauers Saxofon. Geir Lysnes Dirigat strahlt kontrollierte Dynamik und absolut präzisen Einsatz aus.
Lang gezogene Blechtöne, erst verhalten leise, dann lauter tasten sich in die Akustik des Kirchenschiffs vor. Das Tenorsaxofon bringt sich bedachtsam ein, schwingt sich eine Oktave höher, improvisiert über das Thema. Brummt zart zu hohen dissonanten Ensembleharmonien. Das Horn von Rune Brodahl spielt die Melodie im zweiten Stück an, die Stimme wird von den anderen Bläsern übernommen. Schräge Tenorsaxofontöne mischen sich schrill dazwischen. Die Tuba von Lars Andreas Haug grummelt zum wieder melodisch intonierenden Saxofon. Cristian Jaksj›09 verändert die Klangfarbe seiner Posaune mit dem Dämpfer.
Aus der Tiefe des Kirchenschiffes schreitet der in Norwegen sehr bekannte Sänger Sondre Bratland durch den Mittelgang nach vorn. Seine warme tiefe Stimme nimmt die Zuhörer augenblicklich für den weißhaarigen älteren Herrn ein. Auf Norwegisch artikuliert seine wohlklingende Baritonstimme die weihnachtlichen Weisen wie "Nun kommt der Heiden Heiland".
Das schrillste Instrumentalstück, das zeitweise beinahe in den Ohren schmerzte, war der Weckruf für die Nachtigall, eine Bearbeitung des Liedes "Nachtigall, wach auf". "Maria durch den Dornwald ging" überzeugte durch seine eingängige Melodie in genialer Bearbeitung. In "Kommet ihr Hirten" imitiert das Sopransaxofon heiter wie aus einer Kindertröte die Melodie. Das Euphonium greift das Thema auf. In langsam anwachsenden Crescendo kontern Trompeten von Frank Brohdal und Marius Haltli, Tuba und French Horn. Als Zugabe "Es ist ein Ros entsprungen", auf Norwegisch gesungen.