JAZZ:MISSION / Das Quintett "In Between" spielt im "Bassano" in Schwäbisch Gmünd
Auf sanften Pfoten schleicht die Raubkatze heran
 
Mit zeitgenössischem Jazz klingt das Wochenende bei der Gmünder Jazz:Mission aus. Überschaubar ist die Zahl der Fans im "Bassano". Die gehören allerdings zum harten Kern der Jazzliebhaber. Im Publikum sieht Gitarrist Mathias Flum einige bedeutende Musikerkollegen. Das entschädigt die Band für das fehlende Massenpublikum. Es ist Sonntagabend und überdies verschneit, glatt und frostig.
 
VON HELGA WIDMAIER

Das Jazz-Quintett "In Between" spielt sich mit entspannenden Klängen von John Scofields "Tomorrow Land" ein. So richtig zum Abhängen nach einem stressigen Wochenende. Oder zum Kraftschöpfen für die kommende Woche?
Dumpfe Posaunenklänge umfangen die Zuhörer und hüllen sie in beruhigend warme Töne ein. Der Gitarrist John Scofield hat es der Gruppe offensichtlich angetan an diesem Abend. Drei Kompositionen hat die Combo von ihm im Repertoire. Sein "Wabash III" beendet das zweite Set. Vielleicht liegt es an der Artverwandtschaft mit Scofield, der seine Heimat auch in der Kombination von Jazz und Rock ansiedelt? Der Name des Quintetts "In Between" ist zugleich Programm. Rockiger Rhythmus, offensiv und kraftvoll gespielt, ist durchsetzt mit filigranen Klangbildern. Swingende Passagen reißen die Zuhörer mit. Eindringliche Klangteppiche laden zum genüsslichen Zurücklehnen ein.
Ein kleines Handzeichen genügt. Posaunist Uli Röser wechselt übergangslos die Tonart vom Titelsong "In Between" zu John Abercrombies "Labour Day" und holt den Saxofonisten Mathias Auchter mit dem weißen Sopransaxofon herein. Das Stück gewinnt an Fahrt. Schlagzeuger Rüdiger Mayer und Bassist Michael Heise heizen ein. Matthias Flums Gitarre swingt. Es groovt.
Knatternde Posauenklänge versetzt mit elektronischen Wah-wah-Effekten quaken, blöken, tönen, gellen und glucksen abwechselnd. Uli Rösers Posaune behauptet ihre dominante Rolle in der Combo. Verführerische Bläserklänge locken wie Sirenen in Bill Frisells "Strange Meeting". Das Sopransaxofon steuert eine lyrische Note bei. Altsaxofon und Posaune intonieren "O what a goose I am". Der Posaunenzug neckt den Drummer. "Ozelot" heißt die Komposition des Posaunisten Uli Röser, die mit am meisten Eindruck gemacht hat. So sehr, dass sie als zweite Zugabe in Kurzfassung noch einmal wiederholt wird. Die amerikanische Raubkatze pirscht sich an die Beute. Fetzen fliegen. Die Musik explodiert. Das Schlagzeug hämmert. Eine mehrstimmige Melodie begleitet das Fest der Katze. Sie schwelgt in elektronischen Klangwolken.
Zur Nervenberuhigung folgt das Abendstück "Nocturne". Mit der ersten Zugabe lässt sich die Combo "In Between" nicht lange bitten. Sie spielt "Walk tall" von Cannonball Adderley.
© Gmünder Tagespost 14.3.2006