Unterwegs in Australiens Weite

Sonntagnacht. Die Piano-Bar heißt Bassano. In Gmünd - wo sonst? Ein Mann setzt sich ans Klavier. Ruhig perlen die Töne und setzen sich zu einer Melodie zusammen. Weich im Klang. Dass das alte Möbel so zart-warm besaitet ist, hätte man in dem Holzkasten mit vielen Gebrauchsspuren nicht vermutet.


helga widmaier


Zwei können sich dem zauberhaften Sog der Melodie nicht entziehen. Einfühlsam lässt der Drummer seine Besen über der Trommel kreisen. Der Kontrabass mischt sich ein. Mit dem Samuel Jersak Trio hat die „Jazz:Mission“ einen guten Griff getan. Der junge Mann am Klavier ist Samuel Jersak. Am Schlagzeug sitzt Paul Kaiser aus Hannover. Neben dem ausladenden Bass steht gertenschlank der Stuttgarter Thorsten Meinhardt, eigentlich ein Gmünder. Gefühlvolle, melodiös impressionistische Farbtupfer bilden die entspannte Klangwelt der CD „Journey to Sydney“ ab. Vielleicht ist es die Weite, die Unwirtlichkeit und der dennoch immer wieder überraschende Abwechslungsreichtum des kargen australischen Outbacks, die den Komponisten Jersak inspiriert haben. Sicher schlug ihn die faszinierende Silhouette der Großstadt Sydney mit ihren traumhaften Ausblicken auf malerische Buchten, Steilhänge, Sandstrände und das Meer in ihren Bann. Entstanden sind Klangbilder, die mit delikater Lyrik verzaubern. Die Kompositionen laden zum entspannten Träumen ein.
An wohliges Wegdösen ist jedoch nicht zu denken. Aufmerksames Zuhören ist gefordert. Das gelingt dem Trio mit den abwechslungsreichen Stücken und mit musikalischer Vielfalt. Ein harmonischer leiser Beginn steigert sich unter den wild vorwärts treibenden Stockschlägen des Drummers zu einer heißen Off-Road-Fahrt. In „Seven Minutes“ drischt Paul Kaiser einen funkigen 4/4 Beat auf sein Schlagwerk. Ganz und gar nicht an Schlaf zu denken ist bei „Off the Sleep“. Ein hämmernder Rhythmus, Drum-Solo. Das Piano erinnert motivisch an eine Fahrt über holprige Staubpisten im Outback.
Neben den eigenen Kompositionen spielt das Trio Adaptionen von Wes Montgomery, Herbie Hancock und Miles Davis. Peitschender Rhythmus, wilde Beschleunigung. Kriegen die noch die Kurve?, fragt sich der Zuhörer. Aber sie schaffen’s. Das dominante Schlagzeug, das den Bass leider häufig übertönt hat, findet bei Herbie Hancock zu einer ausgewogenen Lautstärke. Vielleicht liegt es auch an den einfühlsamen Handflächen, mit denen er den Takt klopft. Jersak träumt von „Fernweh“, – die Zuhörer vielleicht mit – und warten auf ein Geheimnis, „Wait for a secret“, träumen bei den „Late Night Observations“ und werden mit „Guten Ausssichten“ als Betthupferl belohnt.