No police, please!

Jazz-Verhör des KGB im „Bassano“ in Gmünd

Jazz im Bassano; eingeladen hatte die Jazz:Mission Schwäbisch Gmünd Musiker um den Saxophonisten Martin Keller, der für gute Projekte bekannt ist. Keller, der Drummer Lutz Groß und der Bassist Markus Bodenseh nennen sich als Trio – entsprechend ihren Anfangsbuchstaben – KGB. Den Gitarristen Günther Weiß hatten sie zum Verhör mitgebracht.


diana juhl

Allerdings waren die Scheinwerfer vorrangig auf das Trio gerichtet; der Mann an der E-Gitarre, der angehört werden sollte, stand etwas in die Ecke geschoben, kam nur zu Gehör, wenn ihm der Raum dazu gegeben wurde. Von Anfang an dominierend das Saxophon, rauchig, heiser krächzend, auch schrill, sehr im Stile von Ornette Coleman, aber auch ruhig und meditativ, einsam und cool. Erst als vom KGB-Oberen ein etwas anderes Instrument ausgepackt wird, reagiert der Gitarrist auf die für Jazz eher ungewöhnlich Ansprache des Akkordeons. Weiß erzählt mit der Gitarre seine ganz eigenen Geschichten, auch wenn sich KGB nicht wirklich dafür zu interessieren scheint. Einvernehmliche Zwiesprache kommt dann zwischen der E-Gitarre und dem anderen Saiteninstrument, dem Kontrabass, auf, meist gezupft, aber auch gestrichen.
Im letzten Stück „No police, please!“, das man sich auch als Filmmusik für einen spannenden Sonntagabendkrimi vorstellen kann, spielt sich der Verhörte völlig frei: Jimi Hendrix-Assoziationen, Deep Purple-Riffs – was das Saxophon dann doch provoziert, zuletzt den Ton wieder selbst anzugeben.
Dass die Unterschiedlichkeit zwischen KGB-Boss und Verhörtem das Setting nicht zerlegt, dafür sorgen Schlagzeug und Bass. Sie schaffen das Fundament und halten Verbindung zwischen den Extremen an diesem spannenden Jazz-Abend. Ein brillant gespieltes Konzert das beweist: Jazz unter der Palme im Bassano lohnt.